Existenzbedrohende Risiken

Wissenswertes
Schriftgröße: +

Kapitallebensversicherungen – Warum „Garantie“ am Ende doch was mit Glück zu tun hat

Kapitallebensversicherungen – Warum „Garantie“ am Ende doch was mit Glück zu tun hat

Über Kapitallebensversicherungen (KLV) könnte ich wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben, aber die Kunst liegt ja in der Kürze. Ich geb mir Mühe.

Kapitallebensversicherungen haben das Ziel Geld für einen späteren Zeitpunkt im Leben oder die Rente anzusparen. Im Todesfall bekommt ein oder mehrere Erben das angesparte Geld oder die vereinbarte Todesfallsumme.
Wer seine Lieben für den Fall seines Todes mit einer Finanzspritze beglücken möchte, sollte eine Risikolebensversicherung abschließen. Dazu an anderer Stelle mehr.

Bei den Versicherungen heißen die Kapitallebensversicherungen übrigens meistens PrivatRente, KlassikRente, KlassikPrivat, oder ähnliche Kombinationen.

Im ersten Schritt schließe ich natürlich einen Vertrag mit der Versicherungsgesellschaft. Dieser beinhaltet meine Pflicht, die vereinbarten Beiträge zu zahlen. Die Versicherung verspricht im Gegenzug, dass sie mein Geld anlegt und mir eine Rendite erwirtschaftet.

Dieses Renditeversprechen liegt seit dem 01.01.2015 bei 1,25%. Die Inflationsrate liegt im Durchschnitt bei 2%. Damit verspricht mir die Versicherung, dass ich am Ende der Laufzeit garantiert Weniger für das Geld, das ich ausgezahlt bekomme, kaufen kann, als ich es heute könnte.

Diese niedrige Verzinsung ist dem derzeit niedrigen Zinsniveau geschuldet. Doch das war nicht immer so. In den 90ern war es sogar eine sehr lukrative Form der Geldanlage. In den 90ern war aber auch die Kelly Family erfolgreich. Also nicht alles, was damals gut war, ist es heute auch noch.

Quelle: statista.com

Um meine Garantieverzinsung zu erwirtschaften, muss die Versicherung ca. 70% meines Geldes in festverzinsliche Wertpapiere anlegen. Die verbleibenden ca. 30% meines Geldes darf sie in Immobilien und Aktien anlegen.

Da die Versicherungen wissen was sie tun, erwirtschaften sie mit all diesen Anlagen mehr, als die mir garantierte Verzinsung. Es gibt also einen Überschuss. Den Überschuss bekomme ich aber nicht ganz, sondern muss ihn mir mit der Versicherung teilen. Gesetzlich gibt es dazu einige Regelungen. Wie hoch jedoch der Überschuss ist, den ich bekomme entscheidet letztendlich die Versicherung selbst. Der Fairness halber sei gesagt, es gibt eine Kontrollbehörde (die BaFin), die eingreifen kann, wenn es ganz arg ungerecht ist.

In den meisten Fällen bekomme ich den Überschuss auch gar nicht wirklich in meinen Vertrag, sondern er bleibt bei der Versicherung und wird für evtl. Verluste zurückgelegt. Also wie viel Überschuss ich am Ende der Laufzeit tatsächlich bekomme, ist ungewiss.

Zudem muss ich als Kunde auch an den Bewertungsreserven beteiligt werden. Bewertungsreserven sind aus Sicht der Bilanz zu verstehen. Wenn die Versicherung mit unseren Geldern ein schickes Bürogebäude baut und vermietet, kann sie das Gebäude in der Bilanz abschreiben. Das bedeutet vereinfacht, dass das Gebäude irgendwann mit 1€ in der Bilanz steht, in Wahrheit jedoch einen viel höheren Wert hat. An diesem höheren Wert muss ich als Kunde, diesmal sogar nur zur Hälfte, am Ende der Laufzeit beteiligt werden. Das gleiche gilt auch für Aktien. Ist aber bilanziell komplizierter.

Die Beteiligung an den Überschüssen und Bewertungsreserven ist seit Jahren immer wieder Bestandteil von Reformen, wie dem Lebensversicherungsreformgesetz, welches zum 01.01.2015 eingeführt wurde. Wie zum Zeitpunkt meiner Auszahlung gerade die gesetzliche Regelung ist, steht heute also wohl in den Sternen.

Im Prinzip hat also die „sichere" Variante der Kapitallebensversicherung in ihrer Auszahlungshöhe auch was mit Glück zu tun.
Glück, dass ich den Vertrag abgeschlossen hab, als die Garantieverzinsung gut war.
Glück, dass es gerade eine gute Zinsphase ist, wenn ich in Rente gehe und die Versicherung viel Überschuss erwirtschaftet hat.
Glück, dass die Gesellschaft finanziell gerade gut da steht und einen größeren Teil der Überschüsse auszahlt.

Wenn das Geld soll für die Rente sein,
pack es nicht in eine KLV hinein.
Trotz versprochener Garantie
seh ich von dem Geld viel vielleicht nie,
denn Überschüsse und Reserven unterliegen dem Glück,
hoffentlich musst du nicht in den Job zurück.


Foto: Vladimir Kudinov by unsplash.com

Knip, GetSafe und wie sie nicht alle heißen die Be...
Grüne Versicherung – Kann die was oder doch eine M...

Ähnliche Beiträge