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Haftpflicht

Haftpflicht

Heute mal was richtig langweiliges, was aber doch umso wichtiger ist: Die private Haftpflichtversicherung!!

Sie gehört für mich zu den 3 wichtigsten Versicherungen, denn sie sichert Risiken ab, die unsere Existenz bedrohen. Genauso, wie die Krankenversicherung, die wir ja alle haben und die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist die erste Versicherung über die ich mit meinen Kunden spreche, denn ohne eine vernünftige Haftpflichtversicherung macht jede weitere Beratung keinen Sinn.

Denn die Haftpflichtversicherung sichert uns Menschen in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten gegen Schadensersatzansprüche ab. Das bedeutet, sobald ich mich in der Gesellschaft bewege, kann es passieren, dass ich einem anderen Menschen einen Schaden zufüge. Ich kann an der Ampel das kleine Kind übersehen und es über den Haufen rennen. Ich kann mich auf die Brille meiner Freundin setzen. Ich kann beim Umzug den teuren Fernseher des Kumpels fallen lassen. Oder der Klassiker: Mir fällt in meiner Mietwohnung der Zahnputzbecher ins Waschbecken und das Waschbecken geht kaputt.

Nun ist meine Existenz noch nicht bedroht, wenn der Fernseher kaputt geht. Aber wenn das kleine Kind, das ich übersehen habe, nun querschnittsgelähmt ist oder anderweitig schwer verletzt, kann der Schadenersatzanspruch gegen mich, schnell 6-stellig sein. Und damit komm ich zum ersten Qualitätskriterium. Jede private Haftpflichtversicherung sollte mindestens eine Versicherungssumme von 5 Mio. € für Personen- und Sachschäden haben. Das hängt damit zusammen, dass 5 Mio. €, zumindest nach meinen Informationen, immer noch der höchste in Deutschland verurteilte Personenschaden ist. Sicherheitshalber würde ich aber mindestens 7,5 Mio. € absichern. Denn sollte ich ohne Versicherung sein und auf einmal 5 Mio. € zahlen müssen, wäre meine Existenz schnell dahin. Alle meine Ersparnisse etc. würde ich abgeben müssen, ich müsste Privatinsolvenz anmelden und mein Gehalt würde über Jahre gepfändet werden. Daher gehört diese winzige Versicherung für mich zu den existenziellen Versicherungen.

Nun kann der skeptische Leser gern die Rechnung aufstellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ausgerechnet ich einen solchen Schaden verursache, aber ehrlich gesagt, gehört die private Haftpflichtversicherung auch zu den günstigsten Versicherungen. Und ob es wirklich wert ist, dieses Risiko einzugehen, um (gemittelt) 70€ im Jahr zu sparen? Ich denke nicht.

Auf der anderen Seite haben immer noch knapp 30% der Deutschen keine Haftpflichtversicherung. Was passiert also, wenn ich an der Ampel über den Haufen gerannt werde und der „Verursacher“ keine Haftpflichtversicherung hat? Dann muss ich klagen. Find ich nicht gut. Schließlich geht es mir schon nicht gut und dann soll ich noch klagen müssen und werde wahrscheinlich ohnehin nur einen Bruchteil des Schadensersatzes tatsächlich bekommen.

Es sei denn ich habe Forderungsausfalldeckung in meinem Vertrag vereinbart. Das bedeutet nämlich, dass meine Versicherung mir den Schaden ersetzen würde und dann die Arbeit des Verklagens übernimmt. Also ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium.

Oftmals wissen die Menschen auch gar nicht, dass sie keinen Versicherungsschutz mehr haben. Sie denken z.B., dass sie noch in der Versicherung der Eltern abgesichert sind oder wissen gar nicht, was eine Haftpflichtversicherung ist oder wofür man sie braucht. Auch ich habe tatsächlich einige Jahre keine Versicherung gehabt, weil ich gar nicht wusste, wie wichtig sowas ist oder wofür sie überhaupt da ist. Wie die Regelungen bei Ausbildung/ Studium oder beim Zusammenwohnen von Partnern, mit Eltern oder sonstwie sind, könnt ihr in den Versicherungsbedingungen einsehen oder ihr fragt den Berater eures Vertrauens.

Kommen wir zur Brille der Freundin, dem Fernseher des Kumpels und dem Waschbecken des Vermieters. Die Brille ist ein klassischer Haftpflichtfall. Für den Fernseher des Kumpels müssen „Gefälligkeitsschäden“ mit vereinbart sein. In dem Fall hab ich dem Kumpel ja eine Gefälligkeit erwiesen, indem ich ihm beim Umzug helfe und das muss gesondert drin stehen. Das Waschbecken des Vermieters muss auch gesondert drin stehen, nämlich unter „Mietsachschäden“. Und dann sind noch wichtig: Schlüsselschäden. Also wenn ich meinen privaten oder Büroschlüssel verliere und alle Schlösser ausgetauscht werden müssen. Das kann nämlich auch schnell teuer werden. Und dann sollten noch „Schäden an gemieteten, geliehenen und gepachteten Dingen“ abgesichert sein. Dort ist mein Beispiel immer die Bohrmaschine aus dem Baumarkt oder vom Nachbarn.

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass eine gute Haftpflichtversicherung nicht teuer ist. Ich halte es also für nicht notwendig eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren. Damit spart man vielleicht 20-30 € pro Jahr. Gerade die kleinen Schäden zahlt man so aber in der Regel selbst. Und um einen Schaden von 150 € wieder eingespart zu haben, gehen 5 bis 7 Jahre ins Land. Das ist aber natürlich eine Frage des persönlichen Risikoempfindens.

Hier die Parameter noch mal zum kopieren oder merken oder beides:

  • 7,5 Mio. € Versicherungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden
  • Forderungsausfalldeckung
  • Gefälligkeitsschäden
  • Mietsachschäden
  • Privater und beruflicher Schlüsselverlust
  • Schäden an gemieteten, geliehenen und gepachteten Dingen

Also, wer sich beim Lesen ertappt fühlt, weil er keine Haftpflichtversicherung hat
oder gar nicht weiß, ob er eine hat
oder jemanden kennt, der vermutlich oder bestimmt keine hat,
tut euch und eurem Umfeld den Gefallen und lasst euch beraten oder schließt eine ab bzw. weist die Freunde darauf hin. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, wo sie euch dankbar sind, das ihr euch um sie und ihre Absicherung gesorgt habt.
Spätestens, wenn sie euch oder ihr ihnen beim nächsten Umzug helft. ;-)

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