Altersarmut / Vorsorge

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Die Rentenkatastrophe –von und für Jedermann

Die Rentenkatastrophe –von und für Jedermann

Im Moment sprechen alle Medien davon: „Die Rentenkrise." „Deutschland steuert auf eine Katastrophe zu." „Altersarmut wird zu unserem Alltag gehören." Unterschiedlichste Prognosen. Aber alle sagen, dass ein recht großer Teil von uns, von Altersarmut betroffen sein wird. Und was passiert?

Nichts…….

Kein Ansturm, von vor Angst bibbernden Menschen. Keine Anrufe von verunsicherten Kunden. In Dresden geht kein Mensch auf die Straße und protestiert dagegen. Stattdessen herrscht Angst vor Immigranten. Wie verrückt. Altersarmut ist eine reale Sorge, die uns beschäftigen sollte und nicht, ob der Islam zu Deutschland gehört.

Aber bevor ich hier allzu sehr politisch werde, zurück zum Thema. Was ist das mit der Rente in Deutschland und was geht in den Köpfen der Deutschen vor? Da ich an der Quelle sitze, also mit meinen Kunden haargenau darüber sprechen kann, was sie über die Rente denken, was sie glauben, wie viel Rente sie bekommen werden, für wie groß sie ihre Rentenlücke halten etc., erhebe ich mich einfach mal zur Expertin (ist ja gerade hipp. Jeder ist Experte für irgendwas.) Also bin ich halt Expertin darin, was in den Menschen zum Thema Rente vorgeht. Wundert euch also nicht, wenn ich eure Gedanken erraten kann. ;-)

Ihr bekommt jedes Jahr euren Rentenbescheid und der sieht gar nicht so schlecht aus. Was steht drin 1.200€ wenn ihr Anfang 30 seid? 2.000€ wenn ihr um die 40 seid? Irgendwas dazwischen? Aber ihr werdet denken. Toll. So groß können die Rentenlücke und die Rentenkatastrophe gar nicht sein, wenn ich so viel gesetzliche Rente bekomme. Dann ist da nicht die Betriebliche Altersvorsorge und/oder die Riester-Rente und /oder eine andere Rentenversicherung. Und auch da sehen die Zahlen gar nicht so schlecht aus, wenn man es mit der gesetzlichen Rente kombiniert. Was schwafeln die immer von Rentenkrise? Ist doch also gar kein Problem da oder?

Leider doch. Denn das Problem ist, dass euer Rentenbescheid bloß Papier ist.

Eure privaten Rentenversicherungen garantieren euch meistens Renten. Da steht dann z.B., dass die monatliche Rente mindestens 200€ sein wird, wenn ihr weiterhin die Beiträge zahlt. Denn im Vertrag haben sie euch eine Garantie gegeben, dass sie euch eine Rendite von x % zusichern. Ich bin mir zwar nicht sicher, dass das Vorgehen auch in den nächsten Jahren so bleibt, aber dazu wann anders mal mehr. Aber bleiben wir mal dabei, dass dieses Geld sicher ist. Wenn ihr das aus euren Verträgen addiert, wird das bei den meisten wahrscheinlich nicht zum leben reichen, nehme ich an. Also muss das meiste Geld für den Lebensstandard im Alter wohl aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommen.

Die gesetzliche Rente funktioniert nun aber anders, als private Rentenverträge. Durch das Umlageverfahren, wird das Geld, das ihr heute einzahlt, direkt wieder an aktuelle Rentner ausbezahlt. Es wird also kein Geld angelegt und damit auch keine Rendite erzielt. Im Alter ist es also elementar wichtig, dass es Beitragszahler gibt, die in das System einzahlen, damit ihr eure prognostizierte Rente aus dem System bekommt.

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Seit Jahrzehnten wird das demographische Problem in allen Ebenen erläutert, beleuchtet, es werden Lösungen gesucht etc. und doch bleibt das Problem bestehen. Wir bekommen zu wenige Kinder. Und wir werden immer älter. Dazu hier mal eine kurze Grafik. Vom „Dönerspieß" hat bestimmt schon jeder mal gehört. Und der besagt genau das. Immer weniger junge Menschen, immer mehr alte Menschen.

Das statistische Bundesamt hat sogar eine animierte Grafik, mit Prognosezahlen bis 2060.

Somit gibt es immer weniger junge Menschen, die in die Rentenversicherung einzahlen, während eine ganze Menge Menschen auf Zahlungen aus diesem System angewiesen ist. Bzw. diese Menschen haben ja Ansprüche erworben. Sie haben Anspruch auf eine gesetzliche Rente.

Spinnen wir dieses Konstrukt mal weiter. Was passiert? Nach der folgenden Grafik zahlt schon 2020 ein Arbeitnehmer für 4 Rentner.

Wie soll das gehen? Jetzt hat dieser Arbeitnehmer nur 4 „durchschnittliche" Rentner erwischt. Das heißt jeder von diesen Rentnern hat ungefähr einen Anspruch von 1.200€ pro Monat. Dieser arme Arbeitnehmer soll nun also jeden Monat 4.800€ in die Rentenversicherung einzahlen, damit die Rechnung aufgeht? Nun gut, die Hälfte davon zahlt sein Arbeitgeber. Bleiben für ihn also 2.400€ p.m.. Immer noch schwierig, da der „durchschnittliche" Arbeitnehmer ca. 2.900€ pro Monat verdient. Und der muss ja auch noch Steuern, Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen und essen möchte der vielleicht auch noch.

Also was wird passieren?
Diese 4 Rentner, die er vor sich her schiebt, werden sie die Beiträge, die er in die Rentenversicherung einzahlt teilen müssen. Also der Arbeitnehmer zahlt von 2.900€ brutto 9,35% in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Sein Arbeitgeber zahlt noch mal das gleiche. Und das macht dann 542,30 € pro Monat.

Wenn wir es fair aufteilen, bekommt jeder 135 €. Da unser System aber mit Punkten und anderen Systemen arbeitet, bekommen diejenigen eine höhere Rente, die auch mehr eingezahlt haben. Dann bekommt vielleicht nun ein Rentner 250 €, ein anderer 130 € einer 110 € und einer 52 €. Ach ja, der Rentner, der nun am meisten bekommt, ist der, der in seinem Rentenbescheid noch 2.000€ Rente ausgewiesen hatte. Der Rentenanspruch ist also nichts weiter, als ein leeres Versprechen

Und damit wären wir einmal rund im Kreislauf. Die heutigen Arbeitnehmer werden immer mehr in die Rentenversicherung einzahlen müssen, um das System irgendwie am Laufen zu halten. Das bedeutet, dass sie aber selbst weniger private Altersvorsorge machen können. Das wiederrum bedeutet, dass sie im Alter wenig „garantierte" Rente aus privaten Verträgen haben. Und da es ja immer weniger Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung gibt, werden sie auch nur sehr wenig gesetzliche Rente bekommen können. Und damit: Herzlich Willkommen Altersarmut.

Das Problem ist seit endlosen Jahren bekannt, aber keine Regierung traut sich so richtig ran, wäre es doch ein Garant nicht wieder gewählt zu werden. Denn es würde bedeuten, dass heutige und baldige Rentner große Einbußen in Kauf nehmen müssten. Dass jüngere Arbeitnehmer viel einzahlen, aber garantiert wenig raus bekommen würden, um die Übergangszeit zu finanzieren. Und das hört niemand gern. Also stückelt man rum, erhöht das Renteneintrittsalter etc. Oder gibt durch die „Mütterrente" etc. noch mehr Geld aus, was gar nicht da ist. Kann man sich dann doch zumindest der Rentner als Wähler sicher sein…

Ich hab mal geschrieben, dass ich keine Horrorszenarien mag, da die Versicherungsbranche damit bisher und auch immer noch, eine ganze Menge Geld verdient. Und ich bleib dabei.
Das ich hier so schwarz male, hängt damit zusammen, dass auch die Versicherungsbranche für dieses Problem keine Lösung hat. Kaum einer meiner Kunden könnte oder kann es sich leisten, die privaten Rentenverträge so zu besparen, dass es im Alter reichen könnte. Die ganz Jungen haben eine Chance, also Kinder, Jugendliche und vielleicht noch Studenten. Also wäre mein Rat hier vielleicht, zumindest für eure Kinder und Enkelkinder schon jetzt was für die Rente zu tun, damit die nächsten Generationen eine Chance haben.

Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor dem Ende,
auch die Politik bringt hier seit Jahren keine Wende.
Rentenbescheid und deren Ansprüche und Prognosen hin oder her,
in den Kassen ist während unserer Rente dafür kein Geld mehr.
Denn bei mehr Rentnern und wenig Beitragszahlern,
braucht es keine Montagsmaler,
um zu erkennen, dass wir diesen Rentenanspruch nicht bekommen werden,
und leider geht es so vielen Gesellschaften auf Erden.

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