Altersarmut / Vorsorge

Wissenswertes
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Die 3 Schichten der Altersvorsorge und warum sie nichts mit den Musketieren gemeinsam haben

Die 3 Schichten der Altersvorsorge und warum sie nichts mit den Musketieren gemeinsam haben

Nach dem Einkommenssteuergesetz unterscheidet man in Deutschland 3 Ebenen oder Schichten der Altersvorsorge.

  1. Schicht/ Ebene:
    a. Gesetzliche Rente
    b. Rürup-Rente (Basis-Rente)
  2. Schicht/ Ebene:
    a. Riester-Rente
    b. Betriebliche Altersvorsorge
  3. Schicht/Ebene
    a. private Altersvorsorge (Renten- oder Lebensversicherung)

1.a. Die Beiträge für die Gesetzliche Rentenversicherung ist der zweithöchste Betrag, den jeder Arbeitnehmer im Monat vom Brutto-Gehalt abgibt. Dafür soll es in der Rentenphase eine Rente geben. Leider befinden wir uns in den Generationen, die eine Menge Geld in die Rentenversicherung bezahlen, aber am Ende wohl sehr wenig Rente bekommen werden, denn es sind einfach nicht genügend Kinder und Jugendliche da, die unsere Rente ausreichend bezahlen könnten. Denn die gesetzliche Rente ist ein Umlageverfahren. Das Geld was jetzt einbezahlt wird, wird auch gleich wieder an die aktuellen Rentner ausbezahlt. Sollten wir also später einen Anspruch haben, aber kein Geld in der Rentenkasse sein, bin ich gespannt, was passiert.

1.b. Die Rürup-Rente oder auch Basis-Rente ist im Ursprung mal als Alternative zu Riester für Selbstständige entwickelt worden. Hier mein früherer Artikel dazu. (Rürup) Es gibt die steuerliche Absetzung der Beiträge, jedoch keine staatlichen Zulagen. Dafür ist das Konstrukt ein wenig offener und freier gestaltet, sodass eine höhere Rendite erzielt bzw. angestrebt werden kann, als bei der Riester-Rente. Wieder Name Basis-Rente schon sagt, soll die Form eine Art gesetzliche Rente für Selbstständige darstellen, die nicht der Rentenversicherungspflicht erliegen. Ein großer Nachteil in meinen Augen ist, dass es sich um eine Leibrente handelt. Das bedeutet, angenommen ich sterbe 2 Monate nach Rentenbeginn, tanzt die Versicherung vor Freude ums Feuer, denn das Geld gehört nun der Versicherung und kann nicht vererbt werden.

2.a. Zur Riester-Rente hab ich mich schon anderer Stelle ausführlich ausgelassen (Riester) Die Beiträge sind steuerlich absetzbar und es gibt eine staatliche Zulage für bestimmte förderungswürdige Personengruppen. Die Gelder sind recht spezifisch anzulegen, was zu einer gemäßigten Rendite führt. 30% des Geldes kann man sich zu Rentenbeginn auszahlen lassen, der Rest wird verrentet und ist ohne spezielle Vereinbarungen dann auch nicht mehr vererbbar. Steuerlich ist es eine Mogelpackung. Denn die Beiträge, die ich einzahle habe ich im Rahmen meiner Lohnsteuer schon versteuert. Zwar bekomme ich sie meistens ersteinmal durch die Steuererklärung zurück. Aber ich zahle sie dann in der Rentenphase. Dort muss ich dann nämlich die gesamte Rente versteuern. Also hab ich ohnehin schon weniger Geld als im Arbeitsleben und gebe dann davon noch verhältnismäßig viel Steuern ab.

2.b. Die Betriebliche Altersvorsorge wird vom Brutto-Lohn oder –Gehalt abgezogen. Das hat den Vorteil, dass man heute keine Beiträge zu den Sozialversicherungen spart. Das führt dazu, dass bspw. 100€ in den Vertrag fließen, jedoch netto nur 50€ pro Monat weniger ausbezahlt werden. Das klingt vielversprechend. Der Staat wäre jedoch nicht der Staat, wenn er sich das Geld nicht an anderer Stelle wieder holen würde. Nämlich in der Rentenphase. Da zahlt man nun nicht nur Steuern, wie bei den anderen Formen der Altersvorsorge. Da zahlt man nun noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Da man in der Rente jedoch keinen Arbeitgeber hat, der einen Teil der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung übernimmt, zahlt man diese Beiträge komplett. Das sind nach heutigem Stand knapp 20%, die von der Rente zusätzlich abgewogen werden. Das bedeutet die Einzahlung heute müsste viel höher sein, um am Ende eine angemessene Netto-Rente zu erzielen. In der Beitragsphase gibt es verschiedene Formen. Meistens sind die jedoch vom Arbeitgeber vorgegeben. Betriebliche Altersvorsorge lohnt sich, wenn der Arbeitgeber Geld in den Vertrag einzahlt, denn dann ist es geschenktes Geld und es ist unerheblich, wie hoch am Ende die Abzüge sind. Auch dazu hab ich schon was geschrieben (Betriebliche Altersvorsorge)

3.a. Die private Altersvorsorge hat, eben weil sie privat ist, weder steuerliche Vorteile noch staatliche Zulagen, noch spart man an den Sozialversicherungsbeiträgen. Dafür hat man selbst die Entscheidungsgewalt, wie das Geld anlegt werden soll. Es gibt eine deutliche geringere Steuerbelastung, da die gezahlten Beiträge nicht erneut versteuert werden. Die Verträge sind flexibel, was die Auszahlung angeht, also ob das Geld am Ende komplett entnommen oder als lebenslange Rente gezahlt werden soll. Mit ein paar gestalterischen Elementen, lässt sich die Steuerlast noch weiter verringern und selbst in der Rentenphase noch eine Rendite erzielen. Der Nachteil ist, dass die Verträge, was ihre Kostenstruktur angeht, recht teuer sind. Da muss man sich auf jeden Fall anschauen, ob sich das für den konkreten Fall rentiert. Denn in den meisten Fällen braucht es dafür eine lange Laufzeit, also ca. 10 Jahre und mehr.
Es gibt verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten:

  • Kapitallebensversicherungen (KLV): Also Verträge mit einer garantierten Verzinsung. Derzeit sind dies 1,25%. Dabei gibt es die Möglichkeit einer Gesamtauszahlung am Ende der Laufzeit oder es wird eine Rentenversicherung angeschlossen. Das bedeutet, dass Geld wird eingesetzt und dafür erhält man eine monatliche Rentenzahlung
  • Fondsgebundene Lebens-/Rentenversicherungen: Hier gibt es keine Garantie. Das Geld wird in Fonds investiert. Die Fonds wählt entweder, der Berater, der Kunde oder die Gesellschaft aus. Der Vorteil liegt darin, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Fonds über eine lange Laufzeit höhere Erträge erwirtschaften, als eine garantierte Rendite von 1,25%, recht hoch ist. Auf der anderen Seite besteht natürlich die Gefahr, dass sich die Fonds am Ende der Laufzeit in einem Tief befinden und der Kunde weniger Geld erhält, als er eingezahlt hat. Wer sich für eine solche Versicherung entscheidet, sollte sich bewusst machen, dass er sich mindestens einmal jährlich mit seinem Berater über die Fondsauswahl unterhalten sollte.

Die Altersvorsorgesysteme auf einen Blick
subjektiv neutral und fast ohne Kritik.
Der Dschungel wird dadurch hoffentlich etwas klarer,
die Versprechen der Versicherungen jedoch nicht unbedingt wahrer.
Alle Varianten haben ihr Für und Wider,
bloß die gesetzliche Rentenversicherung ist dafür zu bieder.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich nicht noch was besseres findet.

Die Rentenkatastrophe –von und für Jedermann
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